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Jugendprobleme im Stadtteil Cappel
Beschwerden von Anwohnern über lärmendes
Auftreten von Jugendlichen im Cappeler Zentrum, aber auch die
Information über verkürzte Öffnungszeiten des Jugendhauses am
August-Bebel-Platz waren Anlass für den SPD-Ortsverein Cappel, zu
einer offenen Mitgliederversammlung einzuladen. Am 28. Juni 2005
fand die Veranstaltung, zu der eine Vielzahl von Besuchern
gekommen waren, unter der Moderation des stellvertretenden
Ortsvereinsvorsitzenden, Prof. em. Dr. Dr. Siegfried Keil statt.
Fach- und sachkundig war auch das Podium besetzt: Mit Prof. Dr.
Peter Büchner vom Institut für Erziehungswissenschaften der
Philipps-Universität, Dietmar Stullich, dem Fachdienstleiter der
städtischen Jugendförderung und Mike Bodenstein, Leiter des
Jugendhauses Cappel.
Das Eingangsreferat von Prof. Dr. Büchner
beleuchtete die heutige Lebenswirklichkeit von Kindern und
Jugendlichen. Die zunehmende Verstädterung, die mit einer starken
Einschränkung von öffentlichen Spielräumen verbunden ist sowie
veränderte Konsum- und Freizeitgewohnheiten erfordern eine hohe
Mobilität von Eltern, Kindern und Jugendlichen. Diesen neuen
Anforderungen könnten vor allem einkommensschwache Familien nicht
nachkommen und dränge sie zunehmend an den gesellschaftlichen
Rand. Insbesondere für diese Gruppe seien zentrale Angebote von
besonderer Wichtigkeit. Mike Bodenstein konnte die Ausführungen Büchners
aus praktischer Sicht bestätigen: Bis zu 100 Jugendliche,
vereinzelt auch aus angrenzenden Stadtteilen, besuchten
mittlerweile das Cappeler Jugendhaus, das angesichts der
angespannten Personalsituation nur 3 wöchentliche Termine
anbieten könne. In der anschließenden Diskussion wurden die prekäre
finanzielle Situation und fehlende Planungssicherheit seitens des
Trägers der Jugendhauses, der evangelischen Kirche, eindringlich
bestätigt. Vor zwei Jahren habe das Jugendhaus aufgrund
kommunaler Entscheidungen beinahe vor dem Aus gestanden, nur mit
großer Anstrengung sei ein städtischer Zuschuss von 15.000 Euro
zu sichern gewesen.
Nach einer lebhaften Aussprache, in der
Besonderheiten sowie Einschätzungen kirchlicher und städtischer
Jugendarbeit erläutert und erörtert wurden, resümierte
Siegfried Keil die Ergebnisse und Folgerungen der Veranstaltung
aus Sicht des SPD-Ortsvereins: Dieser wird sich nachdrücklich dafür
einsetzen, dass der städtische Zuschuss für das Jugendhaus im
Haushaltsplan 2006 auf 25.000 Euro erhöht wird und eine
vertragliche Vereinbarung zwischen Stadt und Kirche über Inhalt
und Umfang der Jugendarbeit zustande kommt. Eine weitere
Aufgabenstellung soll ebenfalls ins Auge gefasst werden. Der
Ortsverein wird die Kirche in ihren Bemühungen unterstützen,
neue, ergänzende Formen zur finanziellen Absicherung der
Jugendarbeit zu entwickeln und aufzubauen.
Jürgen Kaiser
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